Sehr geehrtes Mitglied unseres Interim Manager-Netzwerkes,
ich gestatte mir, Ihnen unsere aktuellen News zu übersenden. Wir informieren zu folgenden Themen:
- Der deutsche Interim Management-Markt 2011, Ausblick 2012
- Umfrage: Ihre IM-Erfahrungen 2011, Erwartungen 2012 plus Provider-Ranking
- IM-Sozietäten
- Die Größe des deutschen Interim Management-Marktes (revisited)
- Das Handbuch der Personalberatung
- Erkenntnisse
1. Der deutsche Interim Management-Markt 2011, Ausblick 2012
2011 war ein gutes Jahr für das Interim Management in Deutschland, nach allem was wir hören, und für uns gilt das auch. Besonders stark gefragt waren Produktions-, Logistik- und Qualitäts-Manager. Diese wurden gebraucht, um produzierenden Unternehmen zu helfen, auch noch das letzte Stück Produktivität aus den schon am Anschlag laufenden Werken rauszuholen. Der Grund? Wegen der weltweit hohen Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ rufen die OEM jetzt schon seit vielen Monaten wesentlich höhere Stückzahlen ab als voraus geplant. Es kommt zu Lieferengpässen bei den Zulieferern und bei den OEM drohen Produktionsstillstände. Die OEM machen dann den Zulieferern Beine und die rufen bei uns an……………, hoffentlich.
Überdurchschnittlich nachgefragt wurden bei uns auch Sanierer für Niederlassungen deutscher Unternehmen im Ausland. So waren wir bzw. sind noch in entsprechenden Projekten in Italien, Bulgarien, Großbritannien und Argentinien engagiert. Vermutlich hatte es in diesen Auslandsniederlassungen schon länger gekokelt, aber jetzt war zu Hause das Geld da, um den Stall endlich einmal gründlich auszumisten.
Der deutsche Markt für Executives ist zurzeit angespannt (bis auf den Finanzsektor, da ist ein Überangebot), gute Leute sind knapp. Verschärft wird die Situation noch dadurch, dass die Konjunktur zwar gut läuft, aber dem Braten nicht so recht getraut wird. Manager sind also nicht sehr wechselwillig in diesen Tagen. Denn alle wissen: Hast Du erst einmal den „sicheren Hafen“ (na ja) deiner jetzigen Position verlassen und gewechselt, gilt „last in, first out“ oder nicht ganz so passend, aber sehr melodisch, „You are not one of us, so sit in the back of the bus!“ (Jimi Hendrix). So landen Suchanfragen auch deshalb bei uns, weil die üblichen Kanäle ausgetrocknet sind und in den Tiefen unserer Beziehungsnetze noch Kandidaten vermutet werden, die sonst nirgends zu finden sind. Was auch stimmt.
Ausblick 2012: Wir wundern uns, wie alle, dass die deutsche Wirtschaft – umgeben von Jammertälern – schon so lange so gut läuft. Also, lassen Sie uns weiter hoffen! Fest steht, auch wenn die Konjunktur einbricht, würde für die IM in der produzierenden Industrie noch länger etwas zu tun sein, bis alle Rückstände abgearbeitet sind. Die Erfahrung aus den 2008/2009-Krisenjahren lehrt mich allerdings, dass Interim Manager von den Unternehmen auch dann rausgesetzt werden, obwohl man sie braucht, jedoch die Angst umgeht und sich der CFO auf die Kasse setzt.
2. Umfrage: Ihre IM-Erfahrungen 2011, Erwartungen 2012 plus Provider-Ranking
Vor 12 Monaten bewerteten 763 Interim Manager die Marktlage folgendermaßen:

Wie hat sich die Situation zwischenzeitlich entwickelt? Wir sind sehr gespannt auf Ihre Antworten.
Folgendes noch zu einzelnen Themen in der Umfrage:
Aktuelle Verfügbarkeit: Ein wichtiger IM-Konjunktur-Indikator ist für uns, wie viele Interim Manager im Augenblick der Kundenanfrage potentiell für ein Projekt zur Verfügung stehen, also nicht in einem Projekt engagiert sind und somit blockiert. Siehe hierzu die „Allgemeine Frage 4/5“.
Online IM-Job-Angebote: Seit zwei Jahren fragen wir, inwieweit Sie Angebote über „Andere, ZAV oder Jobportale“ erhalten. Bis jetzt schienen diese Online-Portale keine größere Rolle zu spielen, denn die Auswertung für 2009 ergab nur 4,3 % und 2,8 % für 2010. Im direkten Gespräch mit Ihnen erhalten wir allerdings recht unterschiedliche Signale. Der eine sagt, er hätte über eine Web-Plattform bereits Engagements über sechsstellige Euro-Beträge erhalten. Von anderen wissen wir, dass sie nur sehr zögerlich überhaupt irgendwelche Daten in den endlosen Raum des Web stellen, weil sie fürchten, sonst ständig mit irgendwelchem Mist auf ihren Bildschirmen belästigt und im schlimmsten Fall in die digitale Öffentlichkeit gezerrt zu werden. Ergo, diese Professionals wollen sicherstellen, Herr oder Frau über die eigenen Daten und ihren Lebenslauf zu bleiben. Was es, ganz nebenbei, für uns zur Herausforderung machen kann, bei Kundenbedarf kurzfristig den Kontakt herzustellen. Wir wollen diesem Thema auf jeden Fall auf den Grund gehen und haben unsere Fragen zur Herkunft Ihrer IM-Projekte jetzt folgendermaßen präzisiert:
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Online-Jobbörsen (z. B. P24, Experteer), berufliche Netzwerke (z. B. XING, LinkedIn) oder Social Media (z. B. Facebook, Google+)
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Andere, nämlich: ..................
Wir ahnen in diesen neuen Web-basierten Kontaktmöglichkeiten einerseits eine künftige Herausforderung für unser Geschäft, andererseits sind diese für uns selbst aber auch eine Kandidatenquelle. Fest steht, dass diese Kanäle nur für den optimal zu nutzen sind, der ständig mit ihnen arbeitet und trainiert bleibt, weil sich die jeweiligen Möglichkeiten im Zuge der Weiterentwicklungen ständig ändern. Auch die Bedeutung der einzelnen Anbieter selbst wechselt ständig, denn ein vor wenigen Jahren noch ergiebiges Job-Portal kann inzwischen völlig irrelevant geworden sein. Fest steht für mich auch, dass sich das Matching herausfordernder Management-Aufgaben mit dem geeigneten Executive auf Zeit nie wird völlig automatisieren lassen. Es wird also nicht das Thema sein, dass eines Tages durch das Web die Funktion der IM-Provider obsolet werden wird, so wie es anderen Branchen durchaus ergeht oder bereits ergangen ist, sondern die Herausforderung ist, die jeweils aktuellsten Möglichkeiten des Web für das Providergeschäft aktiv zu nutzen.
Projekte nach Branchen: In unserer Umfrage arbeiten wir seit Jahren mit folgendem Branchenschlüssel, mit dessen Aussagekraft wir nicht mehr so recht zufrieden sind:
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Energie / Grundstoffe
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Industrielle Zwischenprodukte
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Verbraucherendprodukte
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Investitionsgüter / Maschinen- & Anlagenbau
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Automotive: Fahrzeugbau / -zulieferer
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T.I.M.E.: Telco / IT / Internet / Multimedia
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Handel / Logistik
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Finanzwirtschaft / Versicherungen
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Baugewerbe / Immobilien
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Öffentlicher Dienst / Verwaltung
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Beratung / Dienstleistungen
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Pharma / Biotechnologie / Gesundheit
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Sonstige (in Stichworten): ..................
In Zukunft planen wir zu folgendem Branchenschlüssel zu wechseln, erbitten aber zunächst Ihren Input hierzu:
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Roh- & Grundstoffe / Bergbau / Energie / Öl / Chemie / Agro
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Metall-, Elektro- & sämtliche Zwischenprodukte
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Pharma / Biotechnologie / Medizintechnik / Healthcare
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Produktion Markenartikel / FMCG / Food & Non-Food
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Automotive inkl. Services, Handel, Aerospace & Rail
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Maschinen- & Anlagenbau
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Industrielle Dienstleistung
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Bau / Bauzulieferer / Facility Management
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Handel Food & Non-Food
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TIME (Telekommunikation, Internet, Media & Entertainment) & Print
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Transport / Spedition / Logistik
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Banken / Versicherungen / Finance
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Alle anderen inkl. Behörden, Öffentlicher Dienst, Non-Profit
Wäre mit diesem neuen Branchenschlüssel für Sie etwas gewonnen? Wäre die Relevanz der Aussagen erhöht? Sollte z. B. auch „Beratung“ eine IM-Branche sein? Bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung und Vorschläge, ggfs. auch zu anderen Themen bzw. Systematiken unserer Umfrage.
Qualität der deutschen IM-Provider: Vor fünf Jahren hatten wir Sie erstmals gebeten, die Qualität der deutschen IM-Provider zu bewerten, so wie für Sie relevant. Für uns hatten wir aus Ihren Antworten Lehren gezogen und versucht, uns in den „nicht so ganz toll“ bewerteten Feldern zu verbessern. Jetzt, denken wir, ist es ein guter Zeitpunkt, die IM-Provider-Bewertung zu wiederholen, um zu sehen, wie sich der Markt aus Ihrer Sicht inzwischen entwickelt hat. Siehe die Zusatzfragen 1 bis 12.
3. IM-Sozietäten
Mehr ins Blickfeld gerückt sind in letzter Zeit die IM-Sozietäten, also Partnerschaften von mehr oder weniger gleichberechtigten Interim Managern. Dass das Pooling von Interim Managern grundsätzlich Sinn machen kann, um Kosten und Einsatz für Marketing, Vertrieb und Backoffice auf mehrere Schultern zu verteilen sowie eine gegenseitige Supervision zu ermöglichen, liegt auf der Hand. Die Herausforderung besteht darin, diese Synergien zu heben, ohne sie gleich wieder durch endlose Diskussionen zwischen den Partnern zunichte zu machen, kein Problem für die Provider, wo es eine allzuständige Geschäftsführung gibt.
Manche Player wollen den Eindruck erwecken, Sozietäten wären von ihrer Konstruktion her besser dafür gerüstet, hochqualitative IM-Dienstleistungen zu erbringen. Mit Verlaub und bei allem Respekt, das sehe ich nicht so. Um in einer Sozietät Mitglied zu werden, ist von dem Antragsteller zunächst etwas einzubringen, egal ob das nun bares Geld, die eigene Reputation oder Arbeitsleistung ist. Dafür erwartet das Mitglied auch etwas, z. B. Aufträge. Das kollidiert mit dem Interesse des Kunden und Auftraggebers. Denn der Kunde möchte nicht den Partner einer Sozietät präsentiert bekommen, weil dieser gerade frei und verfügbar ist (und dem die Sozietät etwas schuldet), sondern den qualifiziertesten zu diesem Zeitpunkt im Markt verfügbaren Interim Executive, egal ob nun Mitglied einer Sozietät oder nicht. Diener zweier Herren sein zu wollen, führt zu Problemen, auf mehreren Ebenen.
Im gleichen Licht sind die „Rahmenverträge“ zu sehen, die mit Interim Managern vorab geschlossen werden. Wenn die Rahmenverträge ihr Papier wert sind, dann binden sie beide Parteien und damit ist der Provider dem IM verpflichtet mit dem Ergebnis der gleichen Problematik wie oben. Ganz nebenbei, ich wüsste auch wirklich nicht, was es vorab vertraglich zu vereinbaren gäbe, das bei einem konkreten Kundenprojekt ggfs. nicht wieder erneut zu besprechen ist.
Ein Begriff, der in diesen Zusammenhang ebenfalls auftaucht, ist der des „vorgeprüften“ Kandidaten. Was nützen Vorprüfungen? Entscheidend ist, dass ein Interim Manager in dem Augenblick, in dem er dem Kunden vorgestellt wird, in Ordnung ist und seine volle Leistungskraft entfalten kann. So viel kann passieren zwischen einer „Vorprüfung“ und dem Zeitpunkt des projektbezogenen Gespräches, z. B. Projekt-Flops, private Schwierigkeiten. Ansonsten ist das so wie die Antwort des PKW-Fahrers an den Verkehrspolizisten: “So, mein Auspuff schleift auf der Straße, kann ich mir nicht vorstellen, vor zwei Jahren kam ich noch glatt durch den TÜV“.
4. Die Größe des deutschen Interim Management-Marktes (revisited)
In unseren News vor einem Jahr hatte ich beklagt, dass bezüglich der Größe des deutschen Marktes Zahlen von 4.000 bis 20.000 Interim Managern genannt werden und so eine effektive Interessenvertretung der IM-Branche unmöglich sei, solange sich die Branche nicht auf eine einigermaßen gleichlautende Sprachregelung geeinigt hat. Inzwischen wurde das Thema im Rahmen eines Workshops in der DDIM aufgenommen und es ist bald für die dort organisierten Provider mit einer gemeinsamen Sprachregelung zu rechnen.
5. Das Handbuch der Personalberatung
Als Frankfurter Allgemeine Buch ist die 2. überarbeitete und erweiterte Auflage des "Handbuchs der Personalberatung" erschienen. Das Kapitel "Interim Management - die etwas andere Bindung an ein Unternehmen" kommt von mir und enthält alles, was mir zum Thema eingefallen ist. Das Buch lege ich Ihnen natürlich ans Herz, Ihre Kommentare sind - wie immer - erwünscht.
6. Erkenntnisse
Vorsicht, wenn Ihr Gegenüber anfängt, seine (hochstehende) Moral ins Spiel zu bringen:
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Ein M&A-Berater, der uns – vergeblich – um die vereinbarte Provision bringen wollte: „Ich lese aus Ihrer Mail Zwischentöne, die mir nicht gefallen. Sollte unser erstes Projekt auf Misstrauen aufbauen, war es auch gleichzeitig das letzte. Ich bin 28 Jahre im Geschäft und habe mich meinen Partnern gegenüber auch ohne "Nachprüfungsrecht" immer fair verhalten.“
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Ein Interim Manager, der, nachdem wir ihn präsentiert hatten, direkt mit dem Kunden ins Geschäft kommen wollte: „12 Jahre bin ich als organschaftlich haftender Interim Manager tätig, schließe jedoch mit meinem Verständnis von Moral, Ethik und Vorgehensweise eigene Verträge mit meinen Kunden ab – Ihr Vertrag entspricht nicht meinen Vorstellungen.“
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Ganz aktuell unser Bundespräsident (per 10. Januar 2012) mit seinem Buchtitel: „Besser die Wahrheit“.
Ich hoffe, dass es Ihnen gut geht und bedanke mich für die erhaltenen Festtagsgrüße.
Für 2012 wünsche ich Ihnen, auch im Namen des gesamten Teams, alles Gute!
Mit freundlichen Grüßen
Ihr

L. Heuse